 |
|
Rezension "AmerIndian
Research" -
04 / 2009
|
Der in Fankfurt am Main lehrende Marin Trenk hat
zusammen mit Studenten eines Spezialseminars ein
Thema untersucht, das von jeher fasziniert und
viele Fragen aufwirft. Ließ sich doch in Nordamerika
besonders stark beobachten, dass viele Europäer
freiwillig den Weg in die indianische Gesellschaften
suchten. Hinzu kam eine nicht unbedeutende Menge
von gewaltsam verschleppten Personen beiderlei
Geschlechts. Und auch von diesen zogen es viele
vor, letzten Endes bei den Indianern zu bleiben.
Wenn sie nach Jahren wieder in die sogenannte Zivilisation
zurückkehrten, hatten sie Anpassungsprobleme -
und wurden von den "Weißen" nicht mehr akzeptiert.
Trenk stell sehr anschaulich dar, warum es so viele
Europäer zu den so bezeichneten "Wilden" zog, und
stellt eine große Zahl von Beispielen vor. Dabei
sind auch Beispiele zu verzeichnen, wo Protagonisten
den umgekehrten Weg gehen - jedoch sind diese bei
weitem nicht so zahlreich Es gibt wenige "indianische
Weiße".
Das Buch ist eine äußerst spannend zu lesende Ansammlung
biografischer Skizzen. Oft sind es Aussteiger aus
der Gesellschaft, die es vorziehen, fernab jeglicher
Zivilisation bei den Indianern zu leben, weil sie
deren Lebensweise faszinierend finden. Dabei ist
beispielsweise die Lebensgeschichte des Schweizer
Malers Rudolph Friedrich Kurz sehr interessant.
Kurz, heute kaum bekannt, ging nach Amerika, um
die indianische Kultur kennen zu lernen, heiratete
sogar eine Indianerin. Seinen Weg kann man als
Kulturflucht bezeichnen. Und er war nicht der Einzige,
der diesen Weg nahm. Trenk hat den Lebensweg dieses
Malers, der im Zuge der intensiven Beschäftigung
mit Bodmer auch bei anderen Forschungen ins Rampenlicht
rückte, aufgezeichnet.
Das Buch stellt Personen vor, die zumindest vom
Namen her vielen Lesern bekannt vorkommen dürften.
Dazu gehören Etienne Brulé, Cynthia Ann Parker,
John Tanner oder Frank Hamilton Cushing. Aber ebenso
hat der Verfasser mit seinem Team viele unbekannte
Menschen der Vergessenheit entrissen und stellt
ihre Schicksale hier vor. Dabei werden alle Facetten
beleuchtet: die freiwillige Zivilisationsflucht
in die Wildnis oder Raub und anschließende Adoption
durch die Indianer. So lernt der Leser dann auch
Christian Gottlieb Prieber kennen, der wie Karl
May aus Sachsen stammt und in Zittau sogar als
Anwalt gearbeitet hat. Möglicherweise musste er
die Stadt aber aus politischen Gründen verlassen
und kam dann Mitte der 30er Jahre des 18. Jhrhunderts
zu den Cherokee. Dort errang er eine hohe Stellung
- aber das kann man im Buch nachlesen.
Zahlreiche Illustrationen machen das Buch auch
visuell zu einem Erlebnis und vermitteln dem Leser
einen hervorragenden Überblick über ein spannendes
Thema. Umfangreich recherchiert und hervorragend
präsentiert, ist dieses Buch für alle, die sich
für die nordamerikanischen Indianer interessieren,
von großem Interesse.
Mario Koch
|
|
|
Rezension "Magazin
für Amerikanistik" - 04 / 2009
|
Unter
dem Begriff „Weiße
Indianer" sind Menschen weißer Hautfarbe
erfasst, die aus unterschiedlichen Gründen ihr
Leben oder zumindest einige Jahre bei Indianervölkern
in Nordamerika verbracht haben -freiwillig oder unfreiwillig.
Meist wurden sie entführt, gerieten in Gefangenschaft,
wurden adoptiert, heirateten in Stämme ein und
wurden Teil dieser Ihnen ursprünglich fremden
Kultur.
Wie sie diese Entwicklung bestanden, wie sie sie
verarbeiteten, wie ihr Leben verlief, das alles ist
seit Jahren Gegenstand der Forschungen von Professor
Dr. Marin Trenk.
Es gab einmal eine Zeit, da waren sogenannte „Captivities",
Berichte von Personen, die einstmals bei Indianern
gelebt hatten und später darüber erzählten,
geradezu „Bestseller" und wurden begierig
gelesen. Irgendwann gerieten sie fast in Vergessenheit.
Dabei sind ihre Schicksale nicht nur bewegende
Zeitzeugnisse, sie sind auch einzigartige Quellen
für die Lebenswelt der indianischen Völker,
da sie ein Insider-Wissen über Alltag und
Denkweise der Native Americans vermitteln, das
z. B. Reisende, die nur kurzfristig bei Indianerstämmen
weilten, kaum zuteil wurde.
In 10 Kapiteln bieten Marin Trenk und seine 7
Mitautoren ein packendes Kaleidoskop von menschlichen
Schicksalen,
die ein breites Spektrum indianischer Kulturen
repräsentierten. Es geht beispielsweise um
den „Lord der Mohawk" (Joseph Brant),
um John Norton, einen Schotten, der sogar im Rat
der Irokesenliga saß. Es geht um Thomas Leforge,
einen „weißen Crow-Indianer",
um Cynthia Ann Parker und um „Herman, den
Comanchen". Das Autorenteam um Trenk befasst
sich aber auch mit grundsätzlichen Fragen,
wie dem „Wunsch, ein Indianer zu sein" und
mit der „Indianisierung weißer Gefangener",
sowie mit der „Faszinationskraft archaischer
Kulturen". Es werden Menschen vorgestellt,
die zwischen den Kulturen wechselten, wie es besonders
in der Zeit des großen Pelzhandels üblich
war, als Händler und Trapper mal in der weißen,
mal in der indianischen Welt lebten.
Alles in Allem handelt es sich um ein hochinformatives
Werk, sorgfältig dokumentiert und wissenschaftlich
fundiert. Seit vielen Jahren die erste deutsche
Veröffentlichung, die sich mit dieser Thematik
auf hohem Niveau beschäftigt und selbst als
Quellenwerk bezeichnet werden kann, aufgrund dessen
weitergehende Studien möglich sind.
Eine gelungene
Veröffentlichung, die trotz wissenschaftlichem
Anspruch spannend zu lesen ist.
Dietmar Kuegler
|
|
Rezension "UniReport" -
01 / 2010 (Frankfurter Goethe Universität)
|
 |
|
|