Der Gedanke, ein Buch über die Diskriminierung
der Indianer zu verfassen, beschäftigte Astrid
Gavani schon seit Anfang der 70er Jahre. Die Vorfälle
in Pine Ridge 1973, die mit der Besetzung von Wounded
Knee ihren Höhepunkt erreichten, legten somit
auch den Ort der Handlung fest, an dem ihre Geschichte
angesiedelt sein sollte.
In den folgenden fast 3 Jahrzehnten sammelte sie
zahlreiche Informationen, sie wurde Mitglied einer
AIM Support Group in Deutschland und erhielt somit
viele Einblicke in die Zustände in der Pine
Ridge Reservation. Auf einer USA Reise traf sie
Indianer und war von deren Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit
begeistert.
Prall gefüllte Aktenordner ihrer ausgiebigen
handschriftlich aufgezeichneten Recherchen waren
die Folge. Ihr Sohn machte sich auf die Suche nach
einem Verlag, der es ermöglichte, letztendlich
daraus ein Buch zu veröffentlichen.
Peter Marsh vom Persimplex-Verlag war bereit dieses
Projekt zu verwirklichen.
Der erste Entwurf der Geschichte wurde digitalisiert,
musste noch überarbeitet und um die Hälfte
gekürzt werden, und mit 640 Seiten ging das
umfangreiche Werk schließlich in Druck.
"
Moondancer" war geboren: Astrid Gavini schickt
darin die deutschen Geschwister Oliver und Elisa
auf die Reise zu Verwandten in die USA der 70er
Jahre – nach Süd Dakota. Dort treffen
sie auf eine vom US-Patriotismus geprägte
Familie. Kaum angekommen, werden sie von einer
Touristenattraktion zur nächsten geführt.
Dort will man den beiden sein Weltbild vermitteln.
Hinzu kommen Gesellschaftsfeiern mit ebenso patriotischen
Gästen. Zusammen mit den durchorganisierten "Nobelabenteuerausflügen" auf
die Ferienressorts der Verwandtschaft lösen
sie einen Kulturschock bei den Geschwistern aus.
Es kommt zu heftigen Reibereien, besonders Elisa
kann den Zynismus kaum verkraften. Als Oliver und
Elisa schließlich auf die Lakota-Sioux in
der Pine Ridge Reservation stoßen, fühlen
sie sich mit ihnen gleich verbunden, und die feinfühlige
Elisa findet hier schließlich ihre Bestimmung...
Sie lernen Kultur, Spiritualität und den Kampf
um das tägliche Überleben der Lakota
kennen. Astrid Gavini schildert den Aufstand des
American Indian Movement (AIM) und den vorherrschenden
Rassismus in Süd Dakota sehr authentisch.
Das Buch liest sich wie ein "non fiktion" – auf
Tagebuchaufzeichnungen der Geschwister, sowie der
Indianer Pat Yellow-Hawk und Tony Running-Deer
beruhendes Zeitzeugnis. Einiges wirkt überzeichnet,
aber die Autorin beteuert, alles anhand realer
Ereignisse in ihren Aufzeichnungen belegen zu können.
Astrid Gavini hat Änderungen abgelehnt, ein
schonungsloses und knallhartes Buch wollte sie
vorlegen.
Das ist ihr gelungen. Wer meint, inzwischen alles
gelesen zu haben über die Geschichte der Lakota
in den Siebzigern, der wird hier viele neue Informationen
finden.
Nicht nur das Buchcover von "Moondancer" ist
von der Autorin selbst illustriert, sondern inzwischen
sind auch viele Bücher beim Persimplex-Verlag
von ihr mitgestaltet worden.
Auch auf ein weiteres Werk der Autorin kann man
sich freuen, es ist für Ende 2009 angekündigt.