Jetzt
liegt bereits der dritte Band der ambitionierten,
auf acht Bände ausgelegten Romanreihe über
die Sioux vor. Der Autor Peter Marsh ist bestrebt,
in seinem Roman möglichst dicht an der historischen
Realität zu bleiben. Die Schwierigkeiten dieser
Gratwanderung sind ihm durchaus bewusst. Und er
versteht es, seine fiktive Geschichte mit erfundenen
Personen so in das tatsächliche, historisch
belegte Geschehen einzubinden und auch die damit
verbundenen historischen Persönlichkeiten
derart in seine Geschichte zu integrieren, dass
man hier durchaus von einer realistischen Darstellung
sprechen kann.
Die Handlung des Romans beginnt mit der Unterzeichnung
eines Friedensvertrages in Fort Laramie (wobei der
Vertrag von 1851 gemeint ist). Deutlich wird, wie
unterschiedlich die Indianer auf die Verträge
reagieren. Die Einen arrangieren sich mit einer neuen
Lebensweise, andere ziehen sich zurück und wollen
ihr bisheriges Leben auf keinen Fall aufgeben. Rasch
kommt es zu den ersten Konfrontationen mit den Truppen
der US-Armee. Dabei schreckt Marsh auch nicht davor
zurück, grausame Einzelheiten der militärischen
Aktionen aufzuzeigen. Jedoch ist es schwer, hier
wieder die Grenze zwischen tatsächlichem Geschehen
und Fiktion zu finden. Gegner dieser Darstellung
können dem Autor ohne weiteres vorwerfen, hier
mächtig zu übertreiben und ein Klischee
zu bedienen. So weit möchte ich jedoch auf keinen
Fall gehen, denn von Grausamkeiten der Art, wie sie
Marsh hier beschreibt, hat man
auch in anderen Berichten schon gelesen – allerdings
nie so konkret. Im Roman, verbunden mit konkreten,
dem Leser bereits vertrauten Personen, wirken diese
Beschreibungen natürlich viel direkter und machen
betroffener als eine lapidare Anmerkung in einer
Abhandlung.
Die Story selbst ist trotz mehrerer gleichzeitig
ablaufender Handlungsstränge gut zu lesen und
an vielen Einzelheiten merkt man, dass sich der Autor
intensiv mit dem Thema befasst hat und weiß,
wovon er schreibt. Aufgrund der bereits erwähnten
grausamen Szenen ist das Buch nicht für Kinder
geeignet. Aber einen Indianerroman dürfen ja
durchaus auch Erwachsene lesen. Hier gibt es eine
spannende Story und viel Allgemeinwissen dazu.
Dr. Mario Koch |